Doktor Roadrunner

Ich erinnere mich noch an den 1000-Meter-Lauf damals in der Schule. Ich war etwa zehn Jahre alt, bin noch recht gerne gelaufen und dieser eine Kilometer kam einem irre lang vor. Irgendwann nach 700, vielleicht 800 Metern habe ich meine Beine kaum noch gespürt. Nicht vor Schmerz, es war als würden sie von ganz alleine laufen. Ich konnte keine Erschöpfung mehr darin spüren und zu einem abschließenden Sprint bis zur Ziellinie ansetzen. Das einzige, auf das ich mich dabei konzentrieren musste war, nicht über meine eigenen Füße zu stolpern, da ich kaum noch eine merkliche Kontrolle über sie hatte. Es war als würden sie völlig wild um mich herum rotieren, wie beim Roadrunner.

Ich musste vorhin wieder daran denken, weil es mir heute ganz ähnlich geht. Das Ziel fest im Blick, aber immer mit der Angst ins Straucheln zu geraten. Ich hänge meiner selbst gesetzten Deadline schon wieder ein wenig hinterher, weil ich zu sehr am aktuellen Kapitel herumkrebse.

In meinem letzten Eintrag, der nun auch schon wieder eine ganze Weile zurück liegt, habe ich mich darüber ausgelassen, sich nicht zu stark auf den eigenen Schreibstil zu konzentrieren, sich nicht davon verunsichern zu lassen, wenn ein Satz nicht direkt rund ist. Nichts von dem, was man heute schreibt liegt morgen einem Gremium vor und geht umgehend in den Druck. Es wird noch mehr als nur ein Mal redigiert und korrigiert werden. Und meistens fühlen sich die Sätze wenn man sie schreibt ganz anders an, als wenn man sie später noch einmal liest. Also keine Panik, was das angeht.

Ein Problem, das mich mittlerweile hingegen stets begleitet ist jedoch weniger stilistischer, sondern inhaltlicher Natur. Eine meiner größten Schwächen ist, die Dinge überstürzen zu wollen, wenn das Ende allmählich absehbar ist. Ich sehe das Ziel und weiß wo es hingehen soll, dabei vergesse ich jedoch nur allzu gerne auch den Leser mitzunehmen. Da ich mir dieser Schwäche bewusst bin, versuche ich nun also um jeden Preis Ruhe in den Text zu bringen, um dem Leser meine Argumentationsweise auch teilhaben zu lassen.  Aber auch diese Erkenntnis entpuppt sich wie so oft als Minenfeld.

Aktuell schreibe ich an meinem Romero-Kapitel, das mir vielleicht am meisten am Herzen liegt. Es behandelt die Filme, über die ich schon so viel geschrieben habe und sollte eigentlich ein Selbstläufer sein. Genau dort liegt allerdings das Problem: die grundsätzlichen Dinge, die ich zu erzählen habe, die aufgeschrieben werden müssen, habe ich in den vergangenen Jahren so oft gelesen, geschrieben, erzählt, dass sie beginnen mich selbst zu langweilen. Um mich nun vor meiner Schwäche zu bewahren, das Wesentliche zu überspringen, da ich es fälschlicherweise als bekannt voraussetze, tue ich das komplette Gegenteil und versuche das Kapitel mit Theorien und tiefer gehenden Analysen aufzublähen. Aus dem einzigen Grund, damit es auch in meinen Augen als DAS herausragende Kapitel der Dissertation erscheint. Oft kommen mir dabei Zweifel, ob ich es vielleicht übertreibe, ob nicht teilweise Weniger mehr ist und wie es mir gelingen könnte, mir den Druck zu nehmen, den ich mir selbst aufbürde. Häufig ist es der eigene Anspruch, der einem die Sicht auf das Wesentliche versperrt und der den Schreibfluss mehr als alles andere blockiert.

Vermutlich sind das ganz gewöhnliche Zweifel, die einen begleiten, wenn man etwas wirklich gut machen will. Vermutlich gibt es auch keinen universalen Ratschlag, um diese Unsicherheiten ein für allemal als dem Schreibprozess zu verbannen. Das Wichtigste (und das ist dann vielleicht doch noch der ultimative Rat, der nicht nur fürs Schreiben gilt) sollte doch sein, ein Auge für seine eigenen Schwächen zu entwickeln und sie sich bewusst zu machen. Sich nicht von ihnen verunsichern zu lassen, sondern selbstbewusst mit ihnen umzugehen und sie jedes Mal aufs Neue zu beurteilen.

Das gilt besonders dann, wenn man schließlich sein erstes Feedback erhält. Hier heißt die Devise mehr denn je: Vertrauen haben. Vertrauen in die eigenen Stärken, das Wissen um die Schwächen, vorallem aber Vertrauen in den Korrektor/die Korrektorin. Früher habe ich mich davon oft entmutigen lassen, war niedergeschmettert, hab mich in tiefen Selbstzweifeln verloren. Man vergleicht sich zu oft mit anderen und meint, sie würden im ersten Versuch perfekte Texte schreiben. Dabei vergisst man nur allzu gerne, dass man meist nur die finale Fassung liest und vergisst, wie viel Blut und Tränen, wie viel Korrekturen hinter diesen Fassungen stecken. Heute bin ich froh darüber, dazulernen zu können, mich darüber weiter entwickeln zu können, mir auch die Schwächen bewusst zu machen und auf diese Weise zu versuchen, sie zu vermeiden. Daher bin ich mittlerweile wirklich dankbar für jede Kritik, die ich erhalte, weil sie mich lernen lässt. Und daher weiß ich auch, dass ich ohne meine Korrektoren gar nicht in der Lage wäre, das Ziel zu erreichen. Sie erinnern mich während des finales Sprints daran, dass ich mich auf meine Füße konzentrieren muss, sie sind meine Erfahrung, dass ich ganz genau weiß, wann ungefähr dieser Punkt erreicht sein wird. Nach etwa Zweidritteln der Strecke nämlich. Jetzt bloß nicht stolpern.

Schreiben – Das perfekte Verbrechen

Seit neun Monaten kein Lebenszeichen an dieser Stelle. Das ist zwar traurig, aber immer ein ganz gutes Zeichen, dass es zumindest abseits dieses Blogs vorangeht.

Mittlerweile ist die Diss. (voraussichtlich) zur Hälfte geschrieben. Knapp 145 Seiten stehen und momentan geht es im Wesentlichen „nur“ noch darum, alles runter zu schreiben. Der Plan ist zumindest die Schreibphase bis Ende des Jahres zu beenden, danach geht es an die Korrekturen und die Publikation. Um dieses Ziel erreichen zu können, wird mir ein anstrengender Sommer mit kränklicher Monitorblässe bevorstehen, aber nach mittlerweile über drei Jahren ist es an der Zeit, das Projekt zu einem Abschluss zu führen.

Was mich beim Schreiben immer begleitet ist die Unsicherheit. Man fühlt sich im Grunde nie bereit zu schreiben, kann immer noch einen Sekundärtext mehr lesen, immer noch mehr planen, vielleicht ein wenig besser, ein wenig strukturierter. Im Gegensatz zur Magisterarbeit vor ein paar Jahren fühlt sich das, was ich hier tue, um einiges anarchistischer an. Häufig kommt es mir vor, als hätte ich zur Zeit der Magisterarbeit viel mehr gewusst WAS ich innerhalb eines Kapitels schreibe. Heute weiß ich zwar genau, worauf ich hinaus will, aber der Weg dorthin ist wesentlich verzweigter, manchmal habe ich Angst einen Umweg zu gehen, zu viel zu sagen, was eigentlich gar nicht notwendig wäre, mich darin zu verlieren. Tatsächlich glaube ich, dass man sich jedoch von dieser Angst befreien sollte. So lange Zeit der Recherche, so viel Wissen, das man gesammelt hat – eigentlich sollte einem das genug Selbstvertrauen geben, schließlich ist man ja auch kein völliger Idiot. Manchmal schaue ich stundenlang auf den blinkenden  Cursor am Ende eines Satzes, mit der Angst vor dem nächsten Wort. Entscheidend ist, was am Ende dabei rauskommt und auch wenn es sich im Schreibprozess wie ein total willkürliches Puzzlespiel vorkommt. Ich muss den Mut finden auch Müll zu schreiben. Redigieren kann man alles und letztlich wird niemand mehr sehen, was eigentlich geschehen ist. Das perfekte Verbrechen. Also keine Angst – die eigene Deadline als Motivation, noch sieben Monate, noch mal 140 Seiten, das Ziel vor Augen. Ein kleiner Tritt in den Arsch.

Nichts neues aus dem Kämmerchen

Ich habe seit zwei Monaten nicht geschrieben. Gar nichts, keine einzigen vollständigen Satz. Habe versucht die Motivation irgendwie hoch zu halten, die Einleitung zu überarbeiten, aber ich bin nicht über Stichworte hinausgekommen. Es ist schon schwer genug, sich über Jahre mit einem Thema zu beschäftigen, über Monate hinweg an einem einzigen Kapitel zu feilen ist aber die eigentliche Schwierigkeit. Ich kann es nicht mehr sehen. Ich will weitermachen, vorankommen, irgendwann fertig werden, doch noch ist es unabdingbar diese Einleitung zu vervollständigen, bevor an den weiteren Verlauf zu denken ist. Und weil dieser inhaltliche Ablauf fest steht, essenziell ist, mach ich gar nichts. Kriege den Fokus einfach nicht auf diese letzten, entscheidenden Sätze gerichtet.
Und die ganze Literatur kann ich auch nicht mehr sehen. Dieses theoretische Vorgeplänkel war mir schon immer zuwider.
Um die Gedanken woanders hin zu lenken, dabei aber den Schreibfluss nicht zu verlieren, habe ich mich mal wieder an einen Artikel für das Zombie Magazin gesetzt. Aber auch dort krankte es an allen Ecken und Enden. Mittlerweile ist der Artikel zwar fertig (irgendwie zumindest), aber er gefällt mir nicht besonders gut, wirkt nicht rund genug – ob es am Thema liegt, zu dem ich in den letzten Jahren bestimmt 100 Seiten geschrieben habe, kann ich nichtmal mehr einschätzen und vermutlich muss ich kürzen, da ich viel zu viel geschrieben habe.
Ich sollte mal Urlaub machen, einen richtigen, so richtig mit Abstand und allem. Aber auch dann nagt das schlechte Gewissen an einem. Wie soll man sich auch wirklich frei nehmen, wenn man schon zwei Monate lang nichts zustande gekriegt hat? Den Blog volljammern, das ist jetzt mein Urlaub. Das Wissen, wenigstens ein paar Sätze geschrieben zu haben. Irgendwas.
Auf bald!

Neues aus dem Kämmerchen

Es  war ein Krampf…

Als mein Doktorvater in der letzten Sprechstunde fragte, ob wir wieder eine Deadline ausmachen sollen, habe ich noch sehr euphorisch zugestimmt und ihm versichert, dass ich meine Einleitung problemlos bis Ostern fertig kriegen würde, um ihm dann die Rohfassung zu schicken. Die gute Nachricht vorweg: wie es aussieht werde ich diese Deadline mal wieder einhalten können. Zurzeit wartet die erste Version darauf von meinen Lieblingskorrektoren auf Herz und Nieren geprüft zu werden. Da liegt auch schon das erste Problem: Das, was man dem Doktorvater als Rohfassung schickt ist natürlich nie das, was man sich selbst als Rohfassung zusammenstückelt. Jetzt bin ich natürlich nervös, wie der Text bei anderen ankommt – in erster Linie hoffe ich natürlich, dass mein Doktorvater sie absegnen wird ohne zu viele Ergänzungen zu verlangen. Auf den letzten Metern dieser ersten Fassung habe ich mich extrem schwer damit getan auch nur einen klaren Satz zu schreiben. Sogar das Teilkapitel zum Horrorgenre, auf das ich mich wirklich die ganze Zeit gefreut habe, hat sich letztlich als mühseliges Zusammentragen allgemeiner Informationen gestaltet und kam mir im Arbeitsprozess teils recht dröge – weil bekannt – vor. Ich habe bewusst versucht die Sache kurz zu halten und nicht zu viel unnützes Zeug zu schreiben, habe jetzt natürlich aber Sorge, dass einige Aspekte zu kurz gekommen sind. Während der Arbeit an der Einleitung bin ich wieder mehr auf meine „Guerilla-Schreibweise“, die ich auch zum Großteil während der Magisterarbeit verfolgt habe zurückgekehrt. Zu Beginn der Diss. habe ich versucht alles im Voraus zu strukturieren und zu planen, aber irgendwie passt so eine Arbeitsweise einfach nicht zu einem kreativen Prozess. Ich habe keine Freude mehr daran, wenn ich mich nur an irgendwelchen Strukturplänen abackere. Also habe ich diese Pläne erstmal beiseite gelegt und einfach geschrieben – natürlich nicht einfach so, das wäre Selbstmord – aber ein gewisser Anteil Improvisation muss einfach sein. Ich muss in der Lage bleiben mich noch irgendwo selbst zu überraschen. Das mag vielleicht wissenschaftlich nicht einwandfrei sein, aber ich habe das Gefühl, dass sich meine Schreiblust, die ich auf diese Weise entwickele, dann im fertigen Text zeigt. Dass er lebendiger wirkt, organischer – es ist sicherlich kein Geheimnis, dass in dieser Arbeit jede Menge Herzblut steckt und das soll man auch ruhig herauslesen können – zumindest der Magisterarbeit hat das nicht geschadet. Und um diese abgedroschene Metapher dann doch noch zu bemühen: ich möchte keinen wissenschaftlichen Zombie erschaffen.

Meine Einleitung umfasst (momentan) 17 Seiten, beinhaltet einige Begriffsbestimmungen, einen kurzen Überblick über die Geschichte des Horrorgenres und natürlich meine Thesen, die sich dann im Laufe der Arbeit hoffentlich auch bewahrheiten. Unterm Strich habe ich jetzt knappe 55 Seiten halbwegs fertiges Diss.-Material ohne auch nur über den ersten Zombiefilm geschrieben zu haben. Das freut natürlich und lässt schon ungefähr mutmaßen, dass diese Doktorarbeit ein kleines Monstrum werden könnte. Von den angepeilten 200-250 Seiten bin ich längst abgewichen und rechne momentan eher mit 300-350. Das guter ist, dass ich im nächsten Schritt endlich in die Filme einsteigen kann. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich mich dort einfach heimischer fühle, als in der Ethnologie, trockener wissenschaftlicher Terminologie oder verfangen in dem Ordnungsversuch verschiedener Konzepte. Das soll nicht heißen, dass ich das, was noch folgt unterschätze. Meine Gedanken kreisen permanent darum, auf welche Weise ich jetzt am besten in die Filmanalyse gehe – aber zumindest die frühen Filme wie White Zombie  oder I Walked With a Zombie haben, nicht zuletzt für mich persönlich relevant, in meiner Magisterarbeit, schon eine recht gute Bearbeitung erfahren, dass es mir im Augenblick fast entspannend erscheint endlich darüber schreiben zu können. Dieses nachfolgende Kapitel  bedeutet auch erstmal nebenher weniger lesen zu müssen, da mir die Forschungslage sehr gut bekannt ist. Komplizierter wird es erst wieder werden, wenn es an die Romero-Filme und letztlich an Walking Dead gehen wird, weil sich dazu ein ganzer Berg Notizen angesammelt hat, die ich nicht nur ordentlich strukturieren, sondern zum Teil auch noch ergründen muss – vom Schreiben mal ganz abgesehen.

Ob ich mich für das folgende Kapitel wieder auf eine recht kurze Deadline einlassen werde, weiß ich noch nicht genau. Vielleicht nutze ich die Zeit, um noch ein paar kleine Ergänzungen im ersten Kapitel vorzunehmen. In Hinblick darauf war es wirklich sehr ertragreich die Einleitung jetzt schon zu schreiben, da sie mir in gewisser Hinsicht die Augen geöffnet hat, wo ich mit dieser Arbeit wirklich hin will.

 Die zweite Info, die ich geben kann ist, dass mittlerweile (nach ordentlicher Verzögerung) die Ausgaben 4 und 5 des Zombie-Magazins erschienen sind. Heft 5 befasst sich mit dem Robocop-Franchise, zu dem ich leider nicht viel beitragen konnte, da ich nie ein besonders großer Fan war. Ich mag den ersten Film sehr gerne, habe aber die anderen nicht einmal gesehen, daher habe ich das Feld dann gerne denen überlassen, denen es am Herzen liegt. In Ausgabe 4 befindet sich allerdings ein Artikel von mir zu Richard Mathesons Roman I Am Legend. Ich habe den Artikel, der ursprünglich nur zwei Seiten umfassen sollte unter Zeitdruck bereits im Dezember geschrieben und war deshalb ein wenig traurig wegen der Verzögerung in der Veröffentlichung, da mehr  Zeit auch bedeutet hätte, dass ich mich ein wenig Länger mit der „Herstellung“ hätte befassen können. Wie dem auch sei, Markus Haage hat der Artikel gefallen. Zu meiner Freude sogar so sehr, dass er ihm jetzt sogar vier Seiten zugewiesen hat, angereichert mit wunderbaren Coverbildern verschiedener Ausgaben des Romans. Das einzige auf das ich ihn in Zukunft noch mal hinweisen werden muss ist, wie man meinen Nachnamen richtig schreibt.

 Das soll es fürs erste gewesen sein an dieser Stelle. Schon wieder viel zu viel Palaver…

In diesem Sinne, schöne Ostertage da draußen!

Empire of the Dead #1

empire_of_the_dead_coverObwohl sich George A. Romero schon im August vergangenen Jahres dazu geäußert hat und auch Nerdcore – den ich zugegeben nicht regelmäßig lese, Zombiecontent in der Regel aber von Freunden zugespielt bekomme – bereits davon berichtete, ist es bis vor zwei Wochen vollständig an mir vorbei gegangen, dass Romero in Zusammenarbeit mit Marvel eine 15-teilige Comicreihe mit dem Titel Empire of the Dead veröffentlicht.

Der Vorteil daran ist, dass ich somit nicht lange ungeduldig warten musste, sondern die erste Ausgabe direkt beim Comicshop meines Vertrauens bestellen konnte.

Grund genug nun einen genaueren Blick auf die ersten 30 Seiten (Netto) zu werfen.

 Was den Zeichenstil und die Kolorierung angeht gefällt mir Empire sehr, sehr gut. Es sieht rau aus, phasenweise fast unsauber, was auf mich einen sehr passenden Eindruck macht. Die Farben sind größtenteils kühl, driften aber phasenweise ins poppige und erinnern dann an die Farbgebung der EC Comics[1], die auch schon Romeros Dawn of the Dead zu seinem speziellen Look verhalfen. Man merkt, ich bin kein Kunstwissenschaftler und Bildbeschreibungen sind sicherlich nicht meine große Stärke. Machen wir uns also lieber direkt an den Inhalt. Ich versuche so wenig wie möglich zu spoilern, werde aber um die ein oder andere Vorwegnahme nicht herum kommen.

 Die Handlung setzt fünf Jahre nach den Ereignissen, die uns in Night of the Living Dead präsentiert wurden, ein. Als Schauplatz dient Romero diesmal New York, das in seinen sozialen Strukturen der Welt ähnelt, die er bereits in Land of the Dead gezeigt hat. Während die Reichen in einem abgeschotteten Wohnkomplex am Central Park weiterhin ihrem dekadenten Lebensstil nachgehen, gilt es für den Rest der Bevölkerung das Überleben sicherzustellen. Neben dem Kampf gegen die Untoten ist also auch Klassenkampf an der Tagesordnung. Um für Unterhaltung zu sorgen, werden regelmäßig „Gladiatorenkämpfe“ veranstaltet, bei denen Zombies gegeneinander antreten. Da diese natürlich in Blutbädern enden, müssen ständig neue Untote beschafft werden. Diese zu organisieren ist im Wesentlichen der Job von Paul Barnum, der bei einem seiner Ausflüge an die Lower Eastside auf die Ärztin Penny Jones[2] trifft. Sie wiederum ist daran interessiert herauszufinden, auf welche Weise es Barnum gelingt die Zombies für den Kampf zu dressieren. Sie will wissen, ob es sich dabei um erinnertes Verhalten handelt, oder ob die Untoten ein Mindestmaß an Intelligenz besitzen, was es ermöglichen könnte, ihnen ihre Gewalt zu nehmen.

Hier wird auch bereits Romeros Grundprinzip klar, das sich durch nahezu alle seine of the Dead-Filme zieht: Die Frage nach der stetig voranschreitenden  Lernfähigkeit der Zombies (bei Romero allerdings meinst als ‚Stinker‘ bezeichnet). Mit Bub in Day of the Dead und Big Daddy in Land, hat er uns schon zwei Untote vorgestellt, die sich von der breiten Masse der tumben Monster unterscheiden. Was die erste Ausgabe von Empire direkt besonders macht ist die Tatsache, dass hier schon ein Zombie eingeführt wird, der sich scheinbar nicht nur an alltägliche Tätigkeiten, sondern sogar an moralische Normen zu erinnern scheint und diesen folgt. Im Gegensatz zu den Menschen (oder evtl doch anderen Wesen?  – ich muss mich leider ein wenig vage Ausdrücken, um den Spoiler aus dem Cliffhanger zu umgehen), die diese Prinzipien mittlerweile aufgegeben zu haben scheinen.

Im Großen und Ganzen bleibt sich Romero hier also treu, wenn es darum geht das Zusammenleben der Menschen zu kritisieren und deren Hang zur Gewalt der Gewalt der Zombies gegenüber zu stellen. Romeros Schema-F der Sozialkritik wird am Ende allerdings um einen neuen, durchaus überraschenden Punkt gesteigert, auf dessen weitere Ausgestaltung ich sehr neugierig bin. Ich persönlich würde mir zwar wünschen, dass es dabei bei einer Metapher bleibt (die aber sicherlich auch funktioniert, wenn sie erzähltechnisch genau so weitergeführt wird), würde es Romero aber durchaus zutrauen einen interessanten Spagat zwischen zwei Subgenres zu schaffen. Grundsätzlich bin ich aber kein großer Freund solcher „Crossover“.

Ich werde die Reihe selbstverständlich weiter verfolgen und weiter über die kommenden 14 Ausgaben berichten. Heft 2 erscheint in den USA übrigens am 26.2.


[1] Zeichner Alex Maleev gibt als besonderen Einfluss Jorge Zaffino an, der für Marvel u.a. Ausgaben des Punishers zeichnete.

[2] Als Erklärung für Pennys Motivation gibt es hier einen Flashback in die Ereignisse von Night. Penny Entpuppt sich als die Schwester von Barbra und Ben, die davon berichtet, was mit Barbra geschah, nachdem der zombifizierte Ben sie aus dem verbarrikadierten Haus gezogen hat.

Totenchor der Knochenmänner (1972)

 130017429835710100Oh Schreck, oh Graus, die Knochenmänner sind im Haus! Zotige Filme erfordern zotige Wortspiele, schätze ich. Das dachten sich vermutlich auch die Verleiher, als sie  José Luis Merinos La Orgía de los muertos (1972) mit Titeln wie Bracula oder eben jenem deutschen Totenchor der Knochenmänner versehen haben. Zugegeben, auch diese stehen dem Film inhaltlich nicht wesentlich ferner als der Originaltitel, da macht es der US-Titel The Hanging Woman schon besser.

 Totenchor der Knochenmänner (ich bleibe jetzt einfach mal bei diesem Titel) entstand als spanisch/italienische Co-Produktion, in jener Zeit, als man dort durch Romeros Night of the Living Dead inspirierte Gothic-Horror-Streifen drehte und mit prüden Sex-Szenen anreicherte.

 In einer Nebenrolle tritt Spaniens Horrorlegende Paul Naschy als nekrophiler Totengräber auf, was den geneigten Filmfreund bereits hellhörig werden lässt.

 Wer bereits einige Texte von mir gelesen hat, der weiß, dass ich besonders die alten Horrorfilme der trashigen Machart sehr zu schätzen weiß. Da bildet der Totenchor keine Ausnahme. Der Film wartet mit fast allem auf, was zu einem gotischen Gruselfilm gehört: ein abgeschiedenes Dorf, ein altes Herrenhaus mit Katakomben und Geheimgängen, ein Friedhof samt Familiengruft…

 Der Film erzählt die Geschichte von Serge Chekov, der von seinem Onkel ein altes Schloss in einem abgelegenen Bergdorf geerbt hat. Schnell wird deutlich, dass in diesem Dorf ein düsteres Geheimnis lauert. Die Dorfbewohner wagen es nicht nach Einbruch der Dunkelheit ihre Häuser zu verlassen und so ist auch niemand gewillt Chekov zu helfen, als dieser kurz nach seiner Ankunft auf dem Friedhof eine erhängte Frau entdeckt. Dass ihr Tod in enger Verbindung zu Chekovs Erbe steht, gibt der Film erst mit fortlaufender Handlung preis. Vorerst muss dieser in detektivischer Arbeit, die Rätsel um mehrere mysteriöse Dorfbewohner entwirren. Als sich weitere Todesfälle ereignen wird Chekov allmählich klar, dass die Toten hier zum Leben erwachen, um Rache an den Lebenden zu nehmen.

Anders als es der Titel erwarten lässt, handelt es sich bei Totenchor der Knochenmänner nicht um einen Trashfilm europäischer Machart, sondern um einen durchaus soliden Gruselfilm, der durch seine düstere Atmosphäre zu überzeugen weiß, anstatt auf blutige
Exzesse zu setzen. In den Anfangsminuten bietet er deswegen leider recht wenig Spektakel. Die Geschichte entfaltet sich nur träge und es dauert, bis sich zumindest ein wenig Spannung aufbaut.

Wie so viele Filme dieser Art, lebt auch der Totenchor von seiner Atmosphäre. Diese kommt meiner Meinung nach nicht ganz an die grandiosen Inszenierungen aus den Hammer Studios heran, macht den Film aber dennoch sehenswert. Hervorzuheben ist auch das Zombie-Make-Up das mir, vergleicht man den Film mit vielen seiner Zeitgenossen, ausgesprochen gut gefällt.

Logbuch

Ich habe den Blog hier schon wieder viel zu lange vernachlässigt. Das lag hauptsächlich daran, dass ich in der Zwischenzeit ein paar andere Baustellen bearbeitet habe, die größte davon ist natürlich die Dissertation. Von meinem Doktorvater habe ich mir die Deadline setzen lassen, ihm bis zum 31.1. mein erstes Kapitel zur Voransicht einzureichen. Das beruhte eigentlich auf meinem eigenen Vorschlag und EIGENTLICH ist dieses erste Kapitel auch bereits fertig, allerdings bin ich mir selber noch nicht ganz sicher, ob es schon ‚professorenfein‘ ist. Meiner Meinung nach sind darin noch zu viele Ecken und Kanten enthalten, die ich gerne ausbessern würde, mir aber noch nicht ganz im Klaren darüber bin wie. Das liegt hauptsächlich daran, dass es tatsächlich das erste Kapitel ist und nicht die Einleitung. Mit dieser quäle ich mich zurzeit sehr mühsam herum, da ich darin einige Konzepte voranstellen möchte, auf denen alles Folgende dann natürlich auch basieren muss. Das Problem ist, dass ich noch nicht alles so gut fassen kann, wie ich es gerne möchte, auch tun sich mir immer wieder Wissens- oder Verständnislücken auf, was die Ausformulierung momentan umso schwieriger macht. Ich möchte jetzt auch keine Ergänzungen im ersten Kapitel vornehmen, wenn ich davon ausgehe, diese Dinge eigentlich zehn Seiten vorher in der Einleitung geschrieben zu haben.

Vermutlich sollte ich es einfach so einreichen, wie es jetzt ist, dabei auf meine Pläne verweisen und hoffen, dass am Ende alles einen Sinn ergibt.

Trotz dieser ganzen zähen Konzeptionsarbeit macht mir die Arbeit an der Diss. momentan allerdings wieder sehr viel Freude. Ich merke, dass der Elan, der mich besonders im vergangenen Jahr des Öfteren mal verlassen hat, wieder zurückgekommen ist.

Mit ein paar Stipendiensabsagen im Nacken war es zeitweise recht schwer die Motivation aufrecht zu erhalten, wenn der Eindruck entsteht, für die Zeit und das Herzblut, die man in die Arbeit investiert, keinerlei Anerkennung zu finden. Diese Krise habe ich jetzt aber ganz gut überwunden, nicht allein, weil ich nach längeren Frustgesprächen mit meinem Doktorvater den Eindruck gewonnen habe, dass auch er hinter meinem Thema steht und diesem viel Interesse gegenüberbringt. Letztlich ist das ja auch die wichtigste Adresse, bei der mein Thema punkten sollte.

Jetzt heißt es also – wie es sich für einen ordentlichen Jahresbeginn gehört – die Ärmel hochgekrempelt und in die Tasten gehauen! Mein Vorhaben ist es im Augenblick mit der Arbeit am Ende dieses Jahres abgeschlossen zu haben. Das ist ein verwegenes Vorhaben und die bisherigen Erkenntnisse sollten mich eigentlich lehren, dass doch immer noch irgendwas dazwischen kommt, was die Arbeitszeit verlängert, aber irgendwann muss man sich ja auch mal Einschränkungen setzen, wenn man nicht noch in fünf Jahren am gleichen Text sitzen will.

In diesem Sinne wünsche ich erstmal eine gute Nacht! In Zukunft hoffentlich wieder regelmäßiger hier.

In eigener Sache

Vor kurzem habe ich noch die Werbetrommel für das Zombie-Magazin gerührt, heute kann ich das sogar in eigener Sache wiederholen.

 Nachdem via Facebook angekündigt wurde, dass sich die dritte Ausgabe mit Romeros Dawn of the Dead befassen wird, habe ich Markus Haage kontaktiert und ihm einen Artikel zur Konsumkritik im Film angeboten. Dieser ist nun in der neuen Ausgabe erschienen, die ich heute im Briefkasten hatte.

Es ist weiterhin schön, die Entwicklung des Heftes zu verfolgen und nun auch einen kleinen Teil selbst dazu beigetragen zu haben. Der Preis wurde mittlerweile zwar auf 5 Euro pro Heft angehoben, dabei ist die dritte Ausgabe mit ihren 64 Seiten aber auch um ganze 12 Seiten umfangreicher als das erste Heft.

 Zu bekommen ist das gute Stück via Amazon Marketplace oder – mit weniger Versandkosten – direkt im Shop.

zombie cover

Black Zombies (1991)

Gestern habe ich mir Umberto Lenzis Black Zombies (a.k.a. Demoni 3 a.k.a. Black Demons) angeschaut, den ich mir bereits vor einigen Monaten in der von CMV veröffentlichten Trash Collection gekauft habe. Da ich ihn beim ersten Durchlauf nicht wirklich aufmerksam verfolgt habe, war es nun an der Zeit ihn mir genauer anzuschauen.

BlackzDer Film erzählt die Geschichte der drei US-amerikanischen Studenten  Jessica, Kevin und Dick, die im Auftrag einer Plattenfirma nach Brasilien reisen, um dort exotische Samba-Rhythmen aufzuzeichnen. Nach einem Streit zwischen den Gruppenmitgliedern macht sich Dick auf eigene Faust auf den Weg und gerät in eine Macumba-Zeremonie, die er auf Tonband aufzeichnet.  Die Zeremonie hat derart großen Einfluss auf den psychisch labilen Dick, dass er zusammenbricht und erst am nächsten Morgen in seinem Hotelzimmer wieder zu sich kommt. Um den Hals trägt er nun ein unheimliches Amulett, das er während der Zeremonie erhalten haben muss.

Um den Zeitplan ihrer Reise weiterhin einhalten zu können bricht die Gruppe hektisch auf – von da an entwickelt sich natürlich alles anders als geplant. Mitten im Nirgendwo erleiden sie eine Autopanne, treffen aber glücklicherweise auf José und Sonia, die ihnen einen Schlafplatz in der nahegelegenden Hazienda anbieten, die sie gemeinsam mit dem Dienstmädchen Maria bewohnen. Soweit so gut, würde auf der Hazienda nicht ein uralter, böser Fluch legen. Denn einst diente das Landgut als Kaffeeplantage, auf der sechs Sklaven auf brutale Weise gefoltert und getötet worden sind. Dick, der durch den Besitz des Amuletts zum Spielball der dunklen Mächte geworden ist, spielt auf dem angrenzenden Friedhof die Tonbandaufnahme der vergangenen Nacht ab und erweckt dadurch die toten Sklaven zum Leben, die jetzt auf Rache sinnen und die Gruppe nach und nach dezimieren.

 In seiner Erzählstruktur ähnelt Black Zombies teilweise einem Slasherfilm, insofern, dass die Zombies recht willkürlich auftreten (plötzlich sind sie auf dem Areal der Hazienda, dann sind sie wieder verschwunden, dann tauchen sie wahllos woanders wieder auf etc.) ihre Morde begehen und die Leichen erst zu einem späteren Zeitpunkt von den verwirrten Hauptcharakteren entdeckt werden. Die Zombies selbst sind keine stumpfen Geschöpfe. Zwar sind sie deutlich verwest und stolpern scheinbar ungelenkt durch die Gegend, allerdings erweisen sie sich als recht clevere Killer: Sie lauern ihren Opfern auf, taktieren dabei und benutzen Waffen. Dabei töten sie auch nicht wahllos, sondern suchen gezielt sechs weiße Opfer, um den Fluch, der auf ihnen lastet, zu brechen.

blackdemons39nh5.5909Die Grundidee des Films ist durchaus interessant, deshalb habe ich ihn auch gekauft, leider versagt er in seinem Vorhaben auf ganzer Linie. Black Zombies ist, bedenkt man seine Entstehungszeit Anfang der 1990er Jahre, einer der wenigen moderneren Filme, die sich noch mit Voodoo bzw. Macumba befassen. Des Weiteren hätte der Ausgangspunkt der Geschichte zu einer spannenden Auseinandersetzung mit der Kolonialvergangenheit werden können. Besonders die Figurenbeziehung zwischen José und Maria hat großes Potenzial, da auch er sich ihr gegenüber als despotischer Gutsherr aufspielt. Leider versagt diese kritische Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte insofern, als dass der Film selber den afro-brasilianischen Glauben für seine Zwecke instrumentalisiert und mit Stereotypen spielt, die genau jene Klischees bedienen, die, zur Diffamierung nicht-christlicher Religionen, tatsächlich von den Kolonialherren auf diese Weise verbreitet worden sind. Nahezu jeder Brasilianer, der im Film auftritt, ist mit den Macumba-Riten (die selbstverständlich meist schwarzmagischer Natur sind) vertraut und praktiziert diese in der Regel auch (was meist nichts Gutes zur Folge hat).

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Hat man genug Filme dieser Art gesehen, ist man gewöhnt, Dinge wie Schauspielerleistung und Montage auch mal außer Acht zu lassen, aber auch sonst kann Black Zombies leider nicht überzeugen. Die Handlung ist hanebüchen, weder Kameraarbeit noch Splattereffekte können überzeugen und schaffen es somit nicht, wenigstens eine solide Atmosphäre zu erzeugen. Ein Film, den man sich also getrost schenken kann, auch wenn man eine Vorliebe für Trash-Filme hat. Solidere Arbeit hat Lenzi mit Großangriff der Zombies (1980) oder Cannibal Ferox (1981) abgeliefert.

„No one will ever love you like your mother“ – Peter Jacksons Braindead (1992)

1992 realisiert Peter Jackson mit Braindead einen vorläufigen (fast ist man geneigt zu sagen: „den bisher unerreichten“) Genrehöhepunkt, der heutzutage längst Kultfilmstatus genießt.

BraindeadNach Bad Taste und Meet the Feebles war es für Jackson der dritte abendfüllende Spielfilm, den er umsetzen konnte und durch den er sich international einen Namen machte – seit seiner Herr-der-Ringe-Trilogie wissen wir ja, wohin der Weg ihn schließlich geführt hat. Mit einem, für einen Zombiefilm seinerzeit recht ansehnlichem, Budget von schätzungsweise 3 Millionen US-Dollar,  gelang es Jackson mit der Mischung aus Komödie und Splatter, sowie seinem Talent dabei die Story nicht zu vernachlässigen, einen der  Meilensteine des sogenannten Splatstick-Films zu markieren. Die Messlatte für Blut, Gedärm, Verstümmelungen und innovativer Tötungsszenen wird hier immens angehoben, was die deutschen Jugendschützer selbstverständlich vor massive Probleme stellt(e). 1993 erschien eine stark gekürzte Version in den deutschen Kinos, seit 1999 sind in Hierzulande alle ungekürzten Veröffentlichungen nach §131 (Gewaltdarstellung) beschlagnahmt. Jahrelang (lang, lang ist’s her) kannte ich nur die gekürzte FSK-18-Videothekenfassung (die unter dem Titel Der Zombie-Rasenmähermann erschien), die selbstverständlich die meisten der drastischen Szenen vermissen lies.

Die Eingangssequenz zeigt, wie ein „sumerischer Rattenaffe“ von der Insel „Skull Island“ ins neuseeländische Wellington verschifft wird, was sich nicht ohne Schwierigkeit gestaltet und bereits erste Opfer fordert. Als harten Kontrast zu diesen ersten schockierenden Bildern, die einen beim ersten Sehen noch eiskalt erwischen, inszeniert Jackson in den folgenden Minuten den Alltag im Jahr 1957. Hauptakteur des Films ist Lionel, der sich in die Lebensmittellieferantin Paquita verliebt. Dominiert von seiner herrischen Mutter, die versucht die Romanze zwischen Lionel und Paquita zu verhindern, steht Lionel zwischen den beiden Frauen, zwischen seinem Drang, den Ansprüchen seiner Mutter gerecht zu werden, als auch dem Wunsch ein „normales“ Liebesleben zu führen. Neben dieser scheinbaren Liebesgeschichte steht jedoch auch die Geschichte von Lionels Mutter, die bei einem Zoobesuch von dem Rattenaffen gebissen wird, dessen Übersiedlung wir in den Anfangsminuten beiwohnen durften, und sich infolgedessen in einen Zombie verwandelt. Lionel, dem schnell bewusst wird, dass seine Mutter eine Transformation durchmacht die ihr (noch mehr) Boshaftigkeit verleiht, gelingt es dennoch nicht seine Bindung zu ihr zu lösen. Er versucht sie mit Beruhigungsmitteln unter Kontrolle zu halten und somit seinen gewohnten Alltag zu wahren. Dies funktioniert selbstverständlich nicht und durch eine Reihe von Unfällen, die Jackson komödiantisch inszeniert, werden weitere Einwohner der Stadt von Lionels Mutter „infiziert“. Lionel, immer darum bemüht, die Normalität zu bewahren versteckt seine Mutter (sowie in der Folge drei weitere Zombies plus Zombiebaby) im Keller des Hauses. Die Situation spitzt sich zu, als Lionels Onkel Les ihn um das Erbe betrügen will. Während einer Housewarming-Party wird schließlich die ganze von Les geladene Partygesellschaft zombiefiziert. Im letzten Drittel des Films eskaliert die Situation und mündet in einem (auf absurde Weise unterhaltsamen) Blutbad.

uncle lesDer antiödipalen Geschichte von Lionel steht „eine rasant geschnittene und groteske Horrorshow“ (Meteling 2006: S.94) gegenüber. Jackson setzt ein Übermaß an blutiger Gewalt in Szene, die er immer wieder dem Wunsch der Protagonisten (allen voran Lionel) gegenüberstellt, die vorherige Ordnung wiederherzustellen. Dadurch rutscht der Film, wie auch seine Gewalt, immer stärker ins Groteske ab, auf die der Zuschauer nur noch reagieren kann, indem er darüber lacht. Zwar spielt Jackson weiterhin sämtliche Varianten der „Angst/Lust“ aus, doch zelebriert Braindead die Gewalt schließlich derart cartoonesk[1], dass sie zu einer Parodie ihrer selbst wird.

Als Referenzszene des Films gilt die, in welcher sich Lionel schließlich einen Rasenmäher vor die Brust schnallt (daher auch der mir früher bekannte Videotitel) und auf diese Weise den Zombies entgegentritt. Diese Szene markiert den Coming-of-Age-Charakter des Films, indem sie sinnbildlich für Lionels analregressiven Befreiungsakt von seiner Mutter verstanden werden kann. Jackson Figuren weisen durchweg karikatureske Merkmale und Verhaltensweisen auf. Der Reinlichkeitswahn von Lionels Mutter deutet auf einen analsadistischen Charakter hin von dem Lionel sich befreien muss. Nicht nur, dass sie die Sexualität ihres Sohnes unterdrückt, Lionel bindet wiederum die Verdrängung des Todes seines Vaters an seine Mutter. (Harzheim 2004: S.316f.)

BRAINDEAD

Erst als Lionel gegen Ende des Films realisiert, dass es seine Mutter war, die den Vater in einem Racheakt ermordete, gelingt es ihm, sich gegenüber seiner Mutter zu emanzipieren. Eingeleitet wird dieser Befreiungsakt von Lionels sprichwörtlichem Kampf mit der Vergangenheit und seinen unterdrückten Empfindungen. Auf dem Dachboden entdeckt er die Überreste der Opfer seiner Mutter, aus denen unerwartet die Innereien hervor schießen, die mittlerweile ein Eigenleben führen. Dieser Szene, als Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, folgt die „Rasenmäherszene“ in der Lionel zu einer „modernen Allegorie des Todes“ (Harzheim 2004: S.317)  wird und dadurch seine zweite Geburt einleitet. „Party is over“, bedeutet für Lionel einen Reifeprozess, wie das Ende seiner Bindung zu seiner Mutter und das Erwachsenwerden als Ausbildung einer autonomen Persönlichkeit.

Lionel erinnert in seinen Wesenszügen stark an Hitchcocks Norman Bates und auch die Fassade des Hauses in Braindead verweist auf Psycho. Nur kann Lionel sich, im Gegensatz zu Bates, letztlich doch von seiner Mutter befreien. Im letzten Akt seiner Emanzipation steht Lionel schließlich seiner riesigen und bis ins groteske mutierten „Übermutter“ (Meteling 2006: S.94) gegenüber und konfrontiert sie mit der Vergangenheit. Sie versucht allerdings weiterhin ihn zu dominieren und verschlingt Lionel, indem sie ihn wieder in ihrem Bauch einschließt. Im Zuge der Neugeburt schneidet sich Lionel selbst aus dem Bauch seiner Mutter frei und erlangt – inmitten von Blut und Gedärmen – endgültige Eigenständigkeit und seelische Freiheit. Durch seine Abgrenzung vom mütterlichen Körper, das „Nicht-Objekt“[2], wie ihn Julia Kristeva beschrieben hat, hat Lionel eine klare Trennung zwischen Innen und Außen vollzogen und sich selbst als Subjekt definiert.[3] Seine Subjektwerdung offenbart sich dann auch darin, dass Lionel den Talisman, den er von Paquitas Großmutter zum Schutz gegen dunkle Mächte geschenkt bekommen hat, und mit dessen Hilfe er sich aus dem Bauch seiner Mutter befreit hat, nun nicht mehr benötigt und wegwirft.

Der Körperhorror in Jacksons Film findet also nicht alleine Ausdruck in der Bedrohung für den eigenen Körper durch den Tod und im Ausleben von „Vernichtungsphantasien“, sondern auch darin, dass Lionels Trauma vorerst noch eines des eigenen Körpers und der eigenen Persönlichkeit ist. Erst durch den Vernichtungsakt, in dem er sich bildlich gegen die Übermacht seiner Mutter stellt, kann Lionel sich als Subjekt definieren und sich endgültig von der Dominanz seiner Mutter lösen.


[1] Im Film finden sich deutliche Anspielungen auf Comics und Cartoons. Beispielsweise trägt der Fleischwolf in dem Onkel Les einen Zombie zerkleinert das ACME– Emblem. In einer anderen Szene des Films erklärt wiederum Onkel Les: „Der Körper muss total zerteilt werden. Ich hab´ s in den Comics gelesen!“

[2] Winfried Menninghaus schreibt hierzu: „In der Mutter-Kind-Dyade gibt es keine klaren Unterscheidungen von Subjekt und Objekt, Innen und Außen, Ich und Anderer, sondern nur fließende Heterogenitäten, rhythmische Stöme der Triebe und Materien.“ Vgl. Menninghaus: Ekel, S.523.

[3] Vgl. hierzu die Ausführungen von Menninghaus zu Kristeva in: Ekel, S.523ff.

Literatur:

Harald Harzheim: Braindead. In: Ursula Vossen (Hrsg.): Filmgenres Horrorfilm. Stuttgart 2004. S. 313- 317.

Arno Meteling: Monster. Zu Körperlichkeit und Medialität im modernen Horrorfilm. Bielefeld 2006.

Winfried Menninghaus: Ekel. Theorie und Geschichte einer starken Empfindung. Frankfurt am Main 1999.